Star Wars: Das Erwachen der Macht – Wiedersehen macht Freu(n)de

Alles hat eine Geschichte

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Episode VII, „The Force Awakens“) ist einer jener Filme, die ich eigentlich nicht sehen wollte. Zu tief saß die Enttäuschung über Episode I-III. Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden und so verhalf mir ein sanfter Schubser dazu, dass ich Episode VII schließlich doch im Kino erleben durfte. Aus vielen Gründen ein emotionales Wiedersehen.

Star Wars: Eine Neue Hoffnung (Episode IV, „A New Hope“) war damals, 1978, der erste Kinofilm, den ich als kleiner Junge ganz alleine, ohne Begleitung der Eltern sehen durfte. In der Loge, die ich ganz für mich allein hatte, entfaltete sich ein Universum, das mich in seinen Bann zog. T-Fighter, X-Wing, der Todesstern, der Millenium Falcon, der verzweifelte Kampf von Han, Luke, Chewie, Leia und Obi Wan gegen das Imperium, das ultimative Böse. Lichtschwerter, Droiden, Blaster, all die kleinen und großen Ideen und Geschichten machten einen gewaltigen Eindruck auf mich.

Star Wars A New Hope Obi Wan Darth VaderIch war eins mit dem Film. Die Atmosphäre, der Sound, die Bilder, die Geschichte, all das war damals für mich ein bahnbrechendes Erlebnis. Viele meiner cineastischen Vorlieben, meine heimliche Leidenschaft für Soundtracks, meine Begeisterung für epische Heldengeschichten, SciFi, Fantasy Rollenspiele (Pen&Paper) und vieles andere, gehen letztendlich alle auf diesen einen Tag, damals, im Frühjahr 1978, zurück.

Episode V, „Das Imperium schlägt zurück“ („Star Wars: The Empire Strikes Back“) war zwei Jahre später ein unvergessener Meilenstein der Filmgeschichte, der für mich seit dem von dieser Serie nie wieder erreicht wurde. Irvin Kershner schuf damals aus der Geschichte von George Lucas zusammen mit Leigh Brackett und Lawrence Kasdan ein Meisterwerk, das nicht nur mir vor allem wegen der Schlacht um Hoth auf ewig in mein Gedächtnis eingebrannt hat.

Der letzte Teil, Episode VII, „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ („Star Wars: The Return of the Jedi“) war eigentlich ganz okay und für einen Dreiteiler ein faires Ende. Nicht unbedingt das, was ich mir gewünscht hätte, aber es war okay. Als dann aber die Prequels erschienen und Lucas die ursprünglichen Filme umgestaltete, in ihnen – freundlich ausgedrückt – „herumfuhrwerkte“, war ich durch mit dem Thema. Episode I – III waren in meinen Augen Totalausfälle, die der Wucht und Wirkung von „A New Hope“ und „The Empire Strikes Back“ nicht im Geringsten nahe kamen.

Episode VII

Star Wars Das Erwachen Der Macht X WingMeine Skepsis vor Star Wars: Das Erwachen der Macht war enorm. Zwar hatte mich J. J. Abrahms mit seinem Neustart der Star Trek Saga mehr als nur überzeugt, aber bei Star Wars war richtig viel Porzellan zerschlagen worden. Klar, wenn ich heute die alten Filme sehe, dann sind die schon „anders“. Die Wirkung ist nicht mehr dieselbe. Beim Film hat sich einfach viel zu viel getan in all den Jahren. Dennoch saß ich mit sehr gemischten Gefühlen im Kino und ertrug Trailer um Trailer, bevor das Licht endlich erlosch und mich die erste, diese eine Fanfare, um fast 40 Jahre in die Vergangenheit versetzte.

Das Imperium ist besiegt, die Rebellenallianz hat eine Republik errichtet. Doch nur weil das Imperium besiegt ist und die Anführer ausgeschaltet sind, ist das Böse, die „Dunkle Seite“ noch lange nicht entmachtet. Auch wenn die Republik in Vielem bestimmt viel besser ist, als es das Imperium je war, geht es nicht allen Bewohnern im Star Wars Universum gut. Unterdrückung und Ausbeutung sind für manche alltägliche Realität. Genauso real ist die Tatsache, dass das Imperium zwar nicht mehr die Nummer 1 im Rennen ist, aber zwischen „besiegt“ und „vernichtet“ liegt ein weiter Weg. Nachfolger haben die Hierarchie übernommen und bekämpfen die Republik, den „Widerstand“, mit ganzer Kraft.

Star Wars Das Erwachen Der Macht Ken RyloJ. J. Abrams zeichnet ein bedrückendes Bild einer gut geölten Maschinerie des Bösen, konfrontiert den Zuschauer mit der gnadenlosen Rücksichtslosigkeit des auf den Sieg um jeden Preis fixierten Nachfolgers des Imperiums, der „Ersten Ordnung“. Luke Skywalker ist verschwunden. Leia, mittlerweile General des Widerstandes, schickt ihren besten Kampfpiloten Poe Dameron auf eine geheime Mission. Er soll ein Artefakt beschaffen, das den Aufenthaltsort von Luke verraten soll.

Wenn Luke dazu bewegt werden kann, sein selbstgewähltes Exil zu verlassen, dann kann das Gleichgewicht der Kräfte wiederhergestellt werden. Diese Mission verläuft nicht ganz so glatt, wie geplant. Poe gerät in Gefangenschaft der Ersten Ordnung und wird von Kylo Ren, einem hochrangigen Anführer, vernommen. Herkunft und Motive von Kylo Ren sind überraschend, doch schlägt die Geschichte Saiten an, die nahtlos zu Episode IV – VI passen und sie glaubhaft fortsetzen.

Neue Charaktere werden etabliert. Neben Kylo Ren, der nicht nur wegen seines Outfits an eine neue, jüngere Version von Darth Vader erinnert, spielen insbesondere Finn, Renn und der Droide BB-8 Rollen, die eine neue und moderne Generation Helden etabliert. Auch der neue Ober-Bösewicht Snoke wird in groben Zügen vorgestellt und etabliert, jedoch bleibt fast alles über gerade diese Figur im Dunkeln, wohingegen besonders Finn, Renn und Kylo im Laufe des Films vergleichsweise detailliert vorgestellt und erklärt werden.

Vergangenheit trifft Gegenwart

Star Wars Das Erwachen der Macht Han Solo ChewbakaDer Film ist ein Treffen mit vielen alten Bekannten. Han Solo und Chewie spielen zentrale Rollen und Harrison Ford gibt einen phänomenalen Han Solo, der zwar in Ehren gealtertet ist, sich aber doch irgendwie kein bisschen geändert hat. Leia, gespielt von Carrie Fischer, gibt ihrer Figur ebenso überzeugend Leben, lässt die Erfahrungen eines langen und ereignisreichen Lebens real werden. Sogar Chewie wird neues Leben eingehaucht und die Figur erhält neue, ein wenig unerwartete Facetten. Selbst Admiral „It’s a trap!“ Ackbar ist wieder mit dabei.

Ein wenig wirkt Star Wars: Das Erwachen der Macht wie eine Neuauflage von Star Wars: Eine Neue Hoffnung. In manchen Dingen sind sich Ansatz und Handlung ähnlich. Die von Maz Kanata geleitete Oase erinnert in vielem an jene Bar auf Mos Eisley. Der zentrale Handlungsort des Films ist nun auch nicht so neu. Umwerfend, ja, und auf jeden Fall auch beeindruckend, insbesondere für die, die Episode IV – VI vielleicht nur aus Erzählungen kennen. Aber eigentlich war das am Ende doch nur eine Idee von früher weitergedacht.

Star Wars Das Erwachen Der Macht Tie FighterStar Wars: Das Erwachen der Macht überzeugt mit tollen Bildern. Der Film ist überzeugend fotografiert. Die Entscheidung, den Soundtrack von Altmeister John Williams machen zu lassen, war vollkommen richtig. Die Schauspieler geben eine teils großartige, mindestens aber überzeugende Leistung ab. Allerdings sollte man nicht erwarten, es durch die Bank weg mit Oscar prämierten Charakterdarstellern zu tun zu haben. Für den Film fand ich das auch gar nicht schlecht, denn es wäre in Anbetracht des Erbes leicht gewesen, den Zuschauer zu überfordern und den Film zu überladen.

Taugts?

Star Wars Das Erwachen der Macht Ken Rylo Fenster RotDie Story ist insgesamt zwar vielleicht ein wenig sich wiederholende Geschichte, aber sie ist gut gemacht und sehr glaubwürdig eingebettet. Disney hat sich die von manchen befürchteten Tanz- und Singeinlagen der Akteure gespart. Es gibt ausreichend Action und Drama und in manchem hat der Film für mich wirklich überraschende Wendungen genommen, auch wenn der eine oder andere Verlauf der Geschichte zurückblickend doch etwas vorhersehbar war.

Star Wars: Das Erwachen der Macht ist eine wirklich gelungene Übergabe des ganzen Star Wars Universums an die nächsten Generationen. Für die Fans der alten Filme werden einige offene Enden geschlossen und für eine Menge der unsagbar schlimmen Verbrechen der Vergangenheit werden alte Fans entschädigt: Jar Jar und die Ewoks bleiben erstmal außen vor. Allerdings stellen sich doch hin und wieder Fragen, ob die Geschichte nicht hier und da doch etwas dünn ist. Manche Auslegungen fand ich sogar regelrecht störend (ist Captain Phasma ein Zylon im falschen Film?) oder doch etwas zu sehr auf „Flashback“ oder „sich wiederholende Geschichte“ getrimmt (die Brücke über den Abgrund, der Flug durch das Innere des Sternenzerstörers, die Cliffhanger am Ende).

Star Wars Das Erwachen Der Macht Captain PhasmaTrotz allem: Mir hat der Film ehrlich gefallen und ich hatte wirklich Spaß. Die Rollenverteilung ist interessant und die Umsetzung der zentralen Aspekte der Geschichte ist gelungen. Ob der pathetische Schlussakkord im Leben dieser einen wichtigen Figur nun unbedingt so stattfinden musste, darüber kann man streiten, aber es war auf jeden Fall ein würdiges Ende. Das Ende von Star Wars: Das Erwachen der Macht lässt genügend offene Fragen, um dem nächsten Teil mit einiger Spannung entgegenzusehen.

Wer sich bis jetzt noch nicht getraut hat, sich Episode VII im Kino anzusehen, weil die Bedenken – ähnlich wie bei mir – wegen Episode I-III und den viel diskutierten Eingriffen in Episode IV – VI doch recht groß sind: Trau Dich, der Film kann was. Wer SciFi mag, wird bestimmt nicht enttäuscht. Und wer was zum Nörgeln sucht, der wird garantiert auch genug Stoff zum Nörgeln finden. Wer allerdings mit SciFi und Star Wars so gar nicht klar kommt oder wer verbissen am „alten“ Set und Setting festhalten will, der wird vielleicht mit anderen Filmen besser bedient.

Star Wars: Das Erwachen Der Macht ist im Kino angelaufen am 17. Dezember 2015.
Lucasfilm Ltd., Bad Robot, Truenorth Productions, Walt Disney Studios Motion Pictures, 20th Century Fox

Regie: J.J. Abrams
Buch: Lawrence Kasdan, Michael Arndt, J.J. Abrams
Cast: Harrison Ford, Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Max von Sydow, Peter Mayhew, ua.

Webseite: http://de.starwars.com/filme/star-wars-das-erwachen-der-macht

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