Tarja – The Brightest Void

Blick zurück, zur Seite und nach vorn

Die aus Finnland stammende Sängerin Tarja braucht keine großartige Vorstellung mehr. Wer die sein musikalisches Leben nicht gänzlich auf dem Baum verbracht hat, der wird mindestens einen Song mit der erfolgreichsten Solokünstlerin am Mikrofon kennen. Bis 2005 war sie die Frontfrau und Stimmer der von ihr mitgegründeten Symphonic-Metal-Band Nightwish. Zuletzt waren ihr Live-Album „Luna Park Ride“ (2015) und die Single „Paradise (What About Us?)“ zusammen mit Within Temptation vom Album „Hydra“ (2014) bei uns in den Charts.

Für dieses Jahr hat Tarja zwei Alben angekündigt. Jetzt, Anfang Juni, erscheint „The Brightest Void“ und im August wird „The Shadow Self“ folgen. Das erstgenannte „The Brightest Void“ soll lose mit „The Shadow Self“ zusammen hängen und doch eine Art Prequel sein. Tarja zufolge sind beide Alben „zwar sehr stark miteinander verwoben, stehen aber gleichzeitig unabhängig voneinander“. Egal wie, bis August ist noch eine Weile hin und jetzt und hier liegt „The Brightest Void“ auf dem Tisch.

The Brightest Void

Ich weiß nicht genau, was ich eigentlich erwartet habe, aber The Brightest Void ist anders, als ich es erwartet habe. Die Zusammenstellung der Songs ist vielseitig und bietet für jeden Geschmack Häppchen, die verschiedene Aspekte Tarjas Musik darstellen. Die Songs sind jeder für sich gut, lassen in Erinnerungen schwelgen. Besonders „Eagle Eye“ hat mich an viele frühere Werke erinnert. Der starke und druckvolle Start des Albums wird aber überraschend nicht konsequent bis zum Ende durchgehalten, sondern abgelöst durch andere Stilrichtungen, die so ganz anders sind.

Tarja Press Picture Credit Tim Tronckoe - The Brightest VoidNach eben erwähntem Eagle Eye (bei dem übrigens Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers am Schlagzeug sitzt), war ich so richtig schön in retro-schunkel-Laune mit viel Träumerei und „hach ja… damals“, als mit „Empty Dream“ eine tief schwarze, melodramatische Geschichte erzählt wird, bei der ich die Ohren doch schlagartig hoch stelle. Dieser Song ist vollkommen anders. Die Instrumente verschwinden hinter dominierenden Soundeffekten und erzeugen zusammen mit Trajas Stimme eine bemerkenswerte Atmosphäre, die mir außerordentlich gefällt.

Sicher, die Symphonic Metal Songs des Albums sind gut, aber der plötzliche Stilwechsel zeigt erst so richtig, das Tarja weit mehr kann, dass ihre Stimme gerade bei vielleicht eher Soundtrack-artigen Kompositionen eine unter die Haut gehende Wirkung erzeugt, die bei den fetzigen und treibenden Metal-Kompositionen etwas verloren geht. Alleine wegen dieser etwas anderen Songs ist dieses Album mindestens bemerkenswert, weil hier eine Atmosphäre geschaffen wird, die über „gewöhnliches“ Songwriting hinaus weist und andeutet, was von Tarja vielleicht noch kommen könnte. Insbesondere dann, wenn „Shameless“ als Destillat der beiden umrissenen Stilrichtungen des Albums verstanden wird, zeichnen sich spannende Entwicklungen in Tarjas Musik ab.

Tarja alleine ist anders als früher zusammen mit Nightwish und „The Brightest Void“ ist ganz bestimmt kein zweites „Once“ oder „Wishmaster“, aber das Album macht deutlich, dass Tarja anderes im Sinn hat und eigene Vorstellungen hat, die sie durchaus gekonnt umsetzt. Ihre Stimme ist bezaubernd und beeindruckend zugleich. ich befürchte zwar, dass nicht jeder meine Begeisterung für dieses Album teilen wird, doch mindestens zwei Songs dieses Albums sind wegweisend und herausragend kreativ.

Tarja – The Brightest Void erscheint am 03.06.2016 bei Earmusic / Edel

Offizielle Webseite von Tarja

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Tarja „No Bitter End“ Official Music Video

Update

Eine Woche vor der offiziellen Veröffentlichung von Tarjas neuem Album „The Brightest Void”, ist das Prequel ab sofort exklusiv bei Apple Music als Stream verfügbar. Das erste von gleich zwei Alben diesen Sommer wird dort eine Woche vorab zu hören sein und ist ab dem 3. Juni 2016 auch bei weiteren Streaming-Plattformen, als Download und als physisches Produkt (CD Digipak sowie LP+Download Code) erhältlich. Fans können so zum ersten Mal die neuen Songs der erfolgreichsten finnischen Solokünstlerin hören, bevor am 5. August Tarjas neues Studioalbum „The Shadow Self“ erscheint.

„The Brightest Void“ steht ab sofort als Stream bei Apple Music online

(Foto: Tim Tronckoe)

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