The Firm Incorporated – Veritas

Kennst Du das? Es gibt so Alben, auf die wartet man einfach voller Vorfreude. Manchmal schon, bevor auch nur ein Release-Termin bekannt gegeben wird. Für mich waren solche Alben zum Beispiel das Debüt-Album von Erdling, oder auch der zweite Teil von ASPs Verfallen-Folge. Und beide Male wurde ich nicht enttäuscht. Und seit der Debüt-EP von The Firm Inc. „Abgebrannt“ warte ich auch schon sehnsüchtig auf ihren ersten Longplayer – „Veritas“ heißt er, soviel wusste ich schon eine Weile. Toll wäre es ja gewesen, schon vorab mit dem Werk von Jens Kästel (Ex-Funker Vogt), Guido Henning und Jan Abraham (beide E-Craft) bemustert zu werden, damit Du passend vor dem Verkaufsstart am 29. April hier schon eine Rezension gehabt hättest.

Hat leider irgendwie nicht funktioniert, also dann eben jetzt. Und um es vorwegzunehmen: Das Album ist geil. Das ist ein Begriff, den ich normalerweise nicht in Rezensionen verwende, aber „klasse“ oder „toll“ trifft es manchmal einfach nicht. Es ist ungebändigt, stürmisch, wild, aggressiv, nicht politisch korrekt, es ist elektronisch, dreckig, provokant, es ist gut zusammengestellt und sauber abgemischt. Es ist ein Werk von Leuten, die aufgrund jahrelanger Erfahrung wissen, was sie tun – und sich dabei doch nicht wiederholen.

The Firm Incorporated - Veritas - BookletDie musikalische Spanne zwischen BUTF (was ausgesprochen „Brootherhood Unity The Firm“ heißt) und „Frei“ oder auch „Boxxxer“ ist enorm – von schnellen, harten, fast industrialmässigen Klängen bis zu melodischer, elektronisch unterlegter und durch Jens rauer Stimme kontrapunktierte Ballade. Und immer und immer wieder gut tanzbare, genießbare, raue elektronische Klänge, die in die Beine gehen.

Also, alles toll und fertig? Vielleicht. Und doch – die Musik ist aggressiv, und das spiegelt sich auch in den Lyrics wieder. „Die letzte Kugel bleibt im Lauf – vielleicht ist sie für Dich.“ Sie provoziert, sie trägt Wut und Zorn nicht nur musikalisch, sondern eben auch in den Texten weiter. Soweit ist für mich alles in Ordnung. Schwierig wird es – für mich – bei der Verwendung von sprachlichen Bildern, die „Wir gegen Die“ aufzeigen. „Nicht jeder kann uns leiden / Ja, das ist der Preis dafür / Im Herzen rein die Zunge spitz / So soll es immer sein“ Dieses Geschäftsmodell findet man sonst eher in der Grauzonenmusik oder dem Rechtsrock, so ein Einzelkämpfer-Image hätte ich bei The Firm Incorporated nicht erwartet. Macht das Veritas zu einem „rechten Album“? Zu einem Album mit rechter Musik? Zu „Grauzonenmusik“? Nein, sicher nicht. Und wie an anderer Stelle auch schon festgestellt, ist „Wir gegen den Rest der Welt“ ein durchaus funktionierendes Geschäftsmodell. Eins, das ich persönlich etwas skeptisch betrachte, aber was die Musik von The Firm Incorporated nicht weniger hörenswert macht.

The Firm Incorporated – Veritas ist am 29.04.2016 bei Infacted (Soulfood) erschienen.

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