The Horrors – V

Es war einmal, in einem Land weit fort von hier….

Vor zehn Jahren war Indie eine riesen Sache in England. Die Pigeon Detectives sind in den Top 20. Razorlight hat gerade fünffach Platin eingesackt. Newsweek und Rolling Stone Magazine stellen Silent Alarm von Bloc Party auf eine Stufe mit den Frühwerken von U2. Und heute? Die Razorlights sind Headline-Act einer Wohnmobilmesse am Ende der Welt. Den Frontmann der Kaiser Chiefs verbindet man eher mit einer Talentshow im TV, während die Arctic Monkeys in die USA ausgewandert sind und Dr. Dre, Outkast und Aaliyah als maßgebliche Einflüsse zitieren. Und die Horrors veröffentlichen „V“, ihr fünftes und bislang mit Abstand bestes Album.

Was damals noch nach chaotischem Garagen-Rock klang, der versuchte, irgendwie den 80er Gothic Rock und den 60er Garagen-Sound miteinander zu verbinden, hat sich deutlich verändert. Vom damaligen Hype weitgehend unbeeindruckt und ignoriert, hatte die Band um Faris Badwan Gelegenheit Fehler machen und daraus lernen. Andere, damals echt angesagte Bands, sind an genau solchen Fehlern zerbrochen und zugrunde gegangen. Es wirkt fast, als wäre der Nachhall dieses Hypes Motivation, eben genau so nicht sein zu wollen.

V – das fünfte Album

Für V haben sich die Horrors Paul Epworth ins Boot geholt, der zwar inzwischen eher für seine Zusammenarbeit mit Adele und U2 bekannt ist, aber früher eben auch die erste Adresse für Post-Punk-Produktionen war. Sein Einfluss auf den Sound der Horrors ist unverkennbar. Nach den Ausflügen ins Psychedelische und den Krautrock klingt V straff organisiert und sehr aufgeräumt und die Melodien stehen für sich. Obwohl die Band spätestens seit ihrem zweiten Album wirklich ordentlich klingt, hat Epworth noch mal einiges aus den Jungs herausgeholt.

 
Gerade an Sänger Faris Badwan fällt dieser Einfluss besonders auf. Früher klang es so, als würden Band und Sänger nur ungefähr derselben Melodie folgen – mal mehr, mal weniger angestrengt und ernsthaft. Bei V ist er tatsächlich Frontmann der Band. Er trifft nicht nur die Noten, sondern er gibt den Ton an. Ein bemerkenswerter Wandel. Auch klingt seine Stimme authentischer, ist glaubwürdiger. Man nimmt ihm die Lebenserfahrung und die Erschöpfung, Resignation und den Weltschmerz ab, über die er singt. Seine Stimme, einst noch eher abschreckendes Beiwerk, gibt den Songs heute verblüffend greifbare Tiefe und Textur.

Entwicklung und Fortschritt

Die Songs sind insgesamt anspruchsvoller geworden. Die Band wagt den Kontrast. Zwischen fast schon ekstatischem Gitarren-Glitzern auf der einen und melancholischer Schwermut auf der anderen Seite, entwickeln die Songs gleichermaßen Druck und Emotionalität. Während die letzten Alben der Horrors zwar kurz in den Charts auftauchten, blieb die Band jedoch insgesamt in ihrer Nische. Mit V jedoch gelingt es der Band etwas zu transportieren, was auch jenseits davon Erfolg haben kann. Mindestens World Below und Don’t Let Love Bring You Down haben „es“, haben dieses gewisse Etwas.

Zwar klingt diese Produktion deutlich kommerzieller, insbesondere in den Dimensionen der vorangegangenen Horrors-Alben gesprochen. Trotzdem bleibt sich die Band treu, klingt noch immer im Kern nach den Horrors von damals, mit ihren ganz eigenen Ideen und Ansichten und auch Macken. Das ist eine durchaus bemerkenswerte Leistung.

Die unbestrittene Anlehnung an die aktuellen Spielweisen des Alternative Rock mag vielleicht gerade deshalb so gut funktionieren, weil der sich zurzeit stark am früheren Indie orientiert. Allerdings kann das den Horrors nur Recht sein. Letztendlich könnte so den Horrors heute noch genau derjenige Erfolg zuteil werden, den damals beinahe alle englischen Indie-Bands hinterhergetragen bekamen.

Das Album hat jedenfalls das Zeug dazu.

The Horrors – V erscheint am 22.09.2017 bei Caroline / Universal Music

Offizielle Webseite der Band

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The Horrors Euro Tour 2017

15.11.17 Köln, Underground
17.11.17 München, Backstage
18.11.17 Hamburg, Molotow
19.11.17 Berlin, Synthäsie Festival

The Horrors – Machine (Official Video)

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