The Last Vegas – Eat Me

Spandex Hose trifft auf Iro-Frisur

The Last Vegas aus Chicago bedienen mit ihrem Album „Eat Me“ ein Genre, das bei mir seit Ewigkeiten vom Radar verschwunden war: Sleaze. Dieser Musikstil war in den 1980ern in den USA sehr populär und ist dem Glam-Rock sehr ähnlich, die Bands dieses Genres spielen aber im Gegensatz dazu mit einer Underdog Mentalität, tragen eher abgerissene Bühnenoutfits und kümmern sich auch weniger um ihre Frisuren.

Vielleicht ist jetzt die Zeit, diese Musik neu zu entdecken und weiter zu entwickeln. The Last Vegas toben sich auf dem Feld aus und veröffentlich seit 2003 beharrlich immer wieder Alben. Eat Me ist voller verspieltem Sleaze, wie er kaum typischer sein könnte. Erinnerungen an die Größen des Sleaze und Glam sind sofort da. Allerdings ist das auch ein wenig der Haken an dem Album. Es ist wirklich gut gemacht, da gibt es kein Vertun: Produktion und Mastering sind genauso klasse, wie das Songwriting und das Spiel der Instrumente, und doch denkt man nicht zuerst „Oh, das ist The Last Vegas“, sondern eher „Oh, Aerosmith haben damals doch auch…“

Eat Me

Es ist traurig, dass dieses Genre so dermaßen von Bands wie Aerosmith oder Cheap Trick und Konsorten belegt ist, dass es andere Bands schwer haben, wahrgenommen zu werden. Unverdient, wie ich finde, denn Bands wie The Last Vegas sind verdammt gute Musiker und wenn man sich mit ihrer Musik ein wenig auseinandersetzt, wird auch schnell klar, dass sie kein Abklatsch sind.

The Last Vegas verwenden im Gegensatz zu den Bands aus den 80ern sehr viel mehr Garagensound, greifen auch mal zum Punk und integrieren das zu einem soliden Album, das schön schnell rockt und rundum Spaß macht. Klischee? Auf jeden Fall, aber hinreißend authentisch ausgelebt! Die Musik geht direkt in die Füße. Die Band spielt mit den Grenzen, ist mal mehr Metal, mal mehr Glam und ja, die Assoziationen an andere Bands sind unvermeidlich, eben weil die Namen so groß sind.

Dennoch: The Last Vegas – Eat Me ist ein Album voller Rock, das den Vergleich nicht zu scheuen braucht. Bloodthirsty und Hot Fudge zum Beispiel sind klasse gemachte Songs, die für sich alleine stehen können und die Band aus dem Schatten treten lassen, während Songs wie zum Beispiel „Universe & You“ ziemlich hemmungslos den Spirit der 80er ausgraben.

Ich habe lange kein Album dieser Art gehört und vielleicht ist es auch genau das. Ich habe die ganze Zeit überlegt, wo ich diese Musikrichtung einsortieren muss, eben weil sie heute so selten gemacht wird. Dann mit Bands wie Great White, Mötley Crew, Aerosmith oder Skid Row in Verbindung gebracht zu werden, ist doch eigentlich gar nicht so schlecht sondern im Gegenteil, sogar eine Auszeichnung.

The Last Vegas – Eat Me ist erschienen am 18.03.2016 bei AFM Records / Soulfood

Offizielle Webseite von The Last Vegas

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THE LAST VEGAS – Bloodthirsty (2016) // official clip // AFM Records

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