The Mute Gods – Do Nothing Till You Hear From Me

Moderner Progressive Rock

The Mute Gods – Do Nothing Till You Hear From Me ist ein vielschichtiges, komplexes Album. Es klingt leicht, spielerisch, stellenweise sogar fast poppig, aber unter der Oberfläche ist dieses Album weit mehr, weit größer, als das übliche „lass uns mal was Progressives machen“-Gedudel. The Mute Gods sind Nick Beggs, Roger King und Marco Minnemann. Bevor sie zusammenfanden, haben sie bereits mit Größen gespielt, wie zum Beispiel Steve Hackett und Steven Wilson. Ein musikalisches Erbe, das in diesem Album deutliche Spuren hinterlässt.

Melodisch-rockig, teils experimentell im Stile des klassischen Progressive Rock der späten 70er Jahre, spielen The Mute Gods leichtfüßig, ja beinahe tänzelnd Kompositionen, die ihre verblüffende Komplexität erst dann so richtig entfalten, wenn man zuhört. Dennoch: Do Nothing Till You Hear From Me ist weniger Art-Rock, weniger Kunst der Kunst wegen, sondern Musik zum Hören. Es rockt gut, nur eben vielschichtiger als der normale Consumer-Rock. Anspruch? Ja. Definitiv.

Beim Opener und Namensgeber „Do Nothing Till You Hear From Me“ lässt sich die Band mehr als zwei Minuten Zeit, den Hörer in ihr musikalisches Labyrinth zu locken. Entgegen meiner ersten Vermutung ist der Song kein direktes Cover des 1940er „Concerto for Cootie“ von Duke Ellington, beziehungsweise der vier Jahre später entstandenen Vokal-Version mit Al Hibbler, aber das Gefühl der Songs ist ähnlich und – ohne die Noten zu kennen natürlich reine Spekulation – thematisch scheinen die Songs verwandt zu sein.

Do Nothing Till You Hear From Me

The Mute Gods - Do Nothing Till You Hear From Me Band Hajo MüllerDiese Verwandtschaft zu älteren Stücken zieht sich durch alle Songs. The Mute Goods erfinden die Musik nicht neu. Sie verwenden etablierte Techniken und Konstellationen und intonieren sie auf ihre Art und Weise. Das gefällt mir sehr gut, denn es entsteht ein faszinierende Kombination aus Old-School-Feeling und Moderne, die mich unweigerlich in ihren Bann zieht. Immer wieder denke ich an Größen wie Yes, Genesis, ELP, Jethro Tull, Gentle Giant, jedoch stets als Flashback, Andeutung, Assoziation, nie als Nachahmung oder Cover.

Die Texte sind gut aufbereiteter, intelligent verpackter, anspruchsvoller Stoff. Nick Beggs sagte über den Opener „Do Nothing Till Yo Hear From Me“:

„The track was inspired by the speeches of General Dwight D. Eisenhower and his warning to the free world about the rise of the Independent Industrial Military Complex.“
(Nick Beggs)

Das Album formuliert kritische Fragen an die Zuhörer, hinterfragt das eigene Handeln und die Motive. „Feed The Troll“ fällt mir hier besonders auf. Der Song zeichnet Parallelen aus Orwells Roman „1984“ nach und umreißt, dass wir gar nicht so weit weg davon sind, weil wir es uns so gefallen lassen, weil wir hinnehmen. Der Song erinnert an die Geschichte mit dem Frosch im Kochtopf: Langsam wird die Temperatur des Wassers immer weiter erhöht und der Frosch könnte eigentlich jederzeit etwas unternehmen, unterlässt es aber, weil „so schlimm ist es ja noch nicht“, bis alles zu spät ist.

The Mute Gods – Do Nothing Toll You Hear From Me ist ein Kunstwerk. Mit mal einfachen, mal komplizierten musikalischen Pinselstrichen erzeugt es Bilder und Schattierungen, die beeindrucken und faszinieren. Trotz immer wieder durchscheinender Retrospektiven auf das musikalische Erbe, ist das Album sehr modern und vorwärtsgerichtet und deshalb im wahrsten Sinne des Wortes progressiv. Darüber hinaus rockt die Musik auch noch und es macht Spaß das Album einfach laufen zu lassen, weil die Musik bei aller Komplexität den Zuhörer stets mitnimmt und abholt.

The Mute Gods – Do Nothing Till You Hear From Me erscheint am 22.01.2016 bei Inside Out Music / Sony

Webseite: http://themutegods.com/

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