The Neal Morse Band – The Similitude Of A Dream

Ein Buch, eine Mail, ein Album

Neal Morse hat mit seinem neunten Album die Idee aufgegriffen, die ihm vor einigen Jahren in einer E-Mail nahegelegt wurde: Mach doch mal ein Konzeptalbum, das auf einem Buch basiert. Diese Idee ist nicht unbedingt neu, aber Neal hat sich an ein Werk ausgesucht, das schon etwas spezieller ist: „The Pilgrims progress from this world to that which is to come, delivered under the similitude of a dream“, kurz: „The Pilgrims Progress“ von John Bunyan. Dieses Buch ist nicht gerade neu, im Gegenteil. Geschrieben wurde es schon 1678. Was dieses Buch bemerkenswert macht, ist weniger sein Inhalt, sondern seine Bedeutung. Dieses Buch gilt als eines der, wenn nicht sogar DAS bedeutendste der englischsprachigenen christlichen Literatur. Bunyan schrieb das zweiteilige Opus während er wegen „außerkirchlichen Predigens“ im Knast saß.

Über das Buch gäbe es noch eine Menge mehr zu sagen, aber hier und jetzt soll es reichen, dass es in diesem Werk um die Reise ins Jenseits geht. Für Neal Morse, selbst überzeugter Christ, ist dieses Buch deshalb ganz bestimmt nicht „irgendein“ Buch. In seinem Album „The Similitude Of A Dream“ geht es daher auch um christliche Themen, insbesondere die Suche nach Gott. Das Album ist auch keine inhaltsgleiche Aufarbeitung der Romanvorlage. Neal Morse hat das Buch nie gelesen, sondern hat sich die Handlung aus dem Internet zusammengesucht und daraus dann, ergänzt durch Ideen seiner Bandkollegen, das Album erarbeitet.

Musikalisch ist The Similitude Of A Dream trotz seiner Länge (zwei CDs mit 23 Songs und 106 Minuten Laufzeit) vor allem kompakt. Eine gekonnte Mischung aus verschiedenen Spielarten des Progressive Rock, Retro, Rock, Pop und Mainstream. Dabei schafft es Neal Morse erfreulich kurzweilig zu bleiben. Die Band vermeidet langatmiges Gefrickel um des Frickelns Willen. Stattdessen konzentrieren sich die Musiker auf das Wesentliche: Auf die Musik.

Das Album ist sowohl Thematisch eine Reise, wie auch musikalisch. Es erinnert immer wieder an verschiedene Phasen und Spielweisen anderer Progressive Rock Bands, ist aber nie eine Kopie, sondern stets eigenständig, kohärent in sich stimmig und vor allem richtig gut gemacht. Technisch ist die Band verdammt gut aber wo The Similitude Of A Dream richtig glänzt, ist Konzeption und Songwriting. Die Musik ist unverkrampft und locker, nie wirklich „oben raus“ und gerade deshalb zugänglich, selbst für diejenigen, die mit Progressive Rock sonst nicht so viel anfangen können.

Die Klasse des Albums zeigt sich immer wieder in Details und Kleinigkeiten. Die Band braucht keine endlosen Tracks, um zu zeigen, was sie will und wo sie (musikalisch) hin will. Die Band braucht keine ausufernden Experimentierstrecken, um zu zeigen, dass jedes Mitglied der Band überaus fähig ist. Stattdessen zeigen sie mit einer überaus professionellen Lässigkeit, dass die Würze eben doch in der Kürze liegt, wenn man weiß, wie. Und das macht Neal Morse Band mit The Similitude Of A Dream außerordentlich gut: Mit Größe, mit Stil und mit Qualität.

Vielleicht ist The Similitude Of A Dream nicht der heilige Gral der neuesten Ideen an der Prog Rock Front, aber es ist auf jeden Fall eines der mit deutlichem Abstand bemerkenswerteren und besseren des Jahres, gerade weil es viele Enden aufgreift und gekonnt verschiedene Geschmäcker zusammenführt. Alles in Allem: Ein Album, das sich rundherum lohnt.

The Neal Morse Band – The Similitude Of A Dream ist erschienen am 11.11.2016 bei Metal Blade / Sony Music

Offizielle Webseite von The Neal Morse Band

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THE NEAL MORSE BAND Tourdaten – Deutschland (2017)

25.03.17, Aschaffenburg – Colo-Saal
26.03.17, Berlin – Lido
29.03.17, Hamburg – Markthalle
31.03.17, Cologne – Stollwerck

The Neal Morse Band – The Ways Of A Fool (Official Lyric Video) HQ

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