The Tip – Sailor’s Grave

Anspruch auf das Erbe angemeldet

Nashville, Tennessee, wird bei uns überwiegend mit Country in Verbindung gebracht. Tatsächlich kommt aus dieser Stadt in den Südstaaten verdammt viel Musik. Auch Country, keine Frage, aber eben auch völlig anderes Zeug. Unter anderem die Band The Tip mit ihrem Album Sailor’s Grave. 2014 gegründet, orientieren sich Benny Carl (Vocals, Gitarre), Robert Bote (Bass), Ricky Dover Jr. (Gitarre) und Dixie Carl (Schlagzeug) in Richtung des amerikanischen Rock’n’Roll.

Denk in Richtung Stadion-Rock. Druckvoller, energetischer Rock, gepaart mit einer ordentlichen Portion Sleaze und Blues ist das, was The Tip ausleben. In den Staaten trafen sie damit einen Nerv und waren schon sehr erfolgreich als Vorband für Buckcherry, The Last Vegas und Geoff Tate’s Operation: Mindcrime unterwegs und haben in aller Deutlichkeit einen Anspruch auf das musikalische Erbe von Aerosmith und T. Rex angemeldet.

Sailor’s Grave

Man muss schon ziemlich Eier in der Hose haben, um einer Band wie Aerosmith so offensiv mit deren Sound, Atmosphäre und Feeling auf den Pelz zu rücken. Doch The Tip machen das so gut und besonders mit Sailor’s Grave auch so authentisch, dass ich mich beim Hören des Albums mehrfach gefragt habe, ob ich es hier vielleicht doch eher ein Nebenprojekt von Tyler, Hamilton, Whitford und Kramer zu tun habe. Nein, The Tip sind nicht Aerosmith und an vielen Stellen werden die Unterschiede auch deutlich genug. The Tip ist eine ganz eigene Nummer, aber sie atmen und leben eben genau diese Art von Rock, die auch die Jungs aus Bosten groß gemacht hat.

Der Flow der Band ist klasse. Ob Uptempo (Whiskey And Coke), Achtel-Rock (Get The Fuck Out) oder mit dezenter Zurückhaltung (Struttin‘), es funktioniert einfach und die Stimmung ist sofort da. Die Kombination aus Mundharmonika / Bluesharp und präsenter Orgel ist für den Sound und zu meiner profunden Überraschung wie geschaffen und trägt viel zum Blues-Feeling bei. Allerdings ist die Musik eher nicht für die kleine Bühne oder den Hinterhofschuppen gemacht, sondern schreit geradezu nach der großen Manege und der tobenden Menge.

Abgerundet wird das absolut taugliche Album durch einen charmanten Schuss Glam, der The Tip – Sailor’s Grave genau den Spaßfaktor verleiht, der das Album aus dem Einerlei vieler Alben hervorhebt, die versuchen so zu tun, als ob. The Tip tut nicht so „als ob“, The Tip ist. Die Attitüde ist großartig, die Energie und das irgendwie rotzig-abgefuckt-überhebliche Ding, das die Band abfackelt, sind nicht nur glaubwürdig, sondern präsent und auf den Punkt. All das macht die Band aber absolut ernsthaft und aus Überzeugung und nicht als Satire oder gar Verarsche. Die Musik macht richtig Laune und wer Aerosmith, T. Rex und Spread Eagle mag, wird The Tip lieben.

The Tip – Sailor’s Grave erscheint in Deutschland am 29.09.2017 bei SAOL / H’Art

Offizielle Webseite der Band

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The Tip – Can You Smell The Money – LIVE

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