Tim Bowness – Stupid Things That Mean The World

Durch puren Zufall hatte ich heute Tim Bowness – Stupid Things That Mean The World in den Fingern, nachdem es hier sträflich lange unbemerkt herumlag. Sicher, ich könnte behaupten, mir wäre es als „Geheimtipp“ unter der Hand empfohlen worden, oder „Bekannte“ hätten mir davon vorgeschwärmt, oder dass ich lange und sehnsüchtig darauf gewartet habe. Tatsache ist aber, dass ich es die ganze Zeit über hier bei mir hatte und gleichzeitig total verpennt habe.

Warum ist das wichtig? „Stupid Things That Mean The World“ ist eines der phänomenalsten Alben, die ich seit langer Zeit gehört habe. Lange, wirklich ganz lange ist es her, dass ich in ein Album reingehört habe, und vom ersten Takt an sprachlos war. Tim Bowness, dessen Name mir bis zu diesem Album einfach überhaupt nichts sagte, hat ein Album abgeliefert, dessen Musikalität und handwerkliche Qualität über jede Kritik erhaben ist. Diese Musik hat Stil, hat gerade in ihrer Einfachheit eine atemberaubende Qualität, hat Größe.

Progressive Rock muss nicht laut sein, muss nicht durch seine Komplexität überfahren. Ja, Rush & Co machen auch total tolle Musik, die mir viel bedeutet. Aber Tim Bowness hat mir mit Stupid Things That Mean The World eine Tür geöffnet, eine neue Dimension von Musik gezeigt, die ich so einfach nicht kannte. Seine Songs sind keine großspurigen orchestralen Monster, die durch massive, wuchtige Klanggebilde überwältigen.

Okay, Press Reset ist wuchtig und zieht wörtlich „mit Anlauf“ den Teppich unter den Füßen weg, aber eigentlich sind die Songs auf Stupid Things That Mean The World wie guter Wein. Sie drängen sich nicht in den Mittelpunkt, sie heischen nicht um Aufmerksamkeit, sie sind keine billigen Pop-Nutten, die für ein wenig Hartgeld so tun als ob. Die Musik fügt sich ein, schafft vielleicht einen Rahmen, überlässt es dabei aber dem Zuhörer, diesen Rahmen auszufüllen.

Tim Bowness Stimme ist unglaublich ausdrucksstark. Die Geschichten, die seine Musik erzählt, sind nicht einfach nur „authentisch“, sondern sie leben und atmen und sind doch gleichzeitig nicht zu greifen, wirken flüchtig und zerbrechlich, beinahe wie Schmetterlinge. Aus den Geschichten spricht eine eigentümliche Frustration, beinahe Verzweiflung, die aus verpassten Gelegenheiten, Überforderung durch das Leben, aber auch das Vergehen und Verlieren von Gefühlen entsteht.

Zu den wundervollsten Songs des Albums gehören für mich auf jeden Fall Know That You Were Loved und Sing To Me, die eine unbeschreibliche Faszination ausstrahlen. Die leicht düster angehauchte Grundstimmung ist nicht depressiv oder bedrückend. Vielmehr schafft das Album eine Atmosphäre, die vielleicht vergleichbar ist mit Abenden, an denen man zusammen mit einem wirklich guten Freund entspannt und frei von Druck oder Zwang über Erlebtes reflektiert, das Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte zurück liegt.

Tim Bowness – Stupid Things That Mean the World ist erschienen am 20.07.2015 bei Insideoutmusic / Universal Music

Webseite des Künstlers (Facebook): https://www.facebook.com/timbowness

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