Tschaika 21/16 – Tante Crystal Uff Crack Am Reck

Das volle Brett für Warmduscher und Langsamlatscher

Mal ehrlich: Was für Musik erwartest Du, wenn Dir ein Album mit dem Titel „Tante Crystal Uff Crack Am Reck“ unter die Nase gehalten wird? Punk? Oder vielleicht irgendwas aus der Ecke Karnevalsmusik oder Liedermacher? Dachte ich auch. Und ich lag genauso falsch. Tschaika 21/16 ist ein Projekt von „Bauer Tim“ (Rotor) und Markus „Onkel“ Lingner (u.a. Alligatoah, Ohrbooten) und ist völlig anders, als der Titel des Albums erwarten lässt.

Wie erklärt man dieses Album? Ich habe mir darum genauso lange wie vergeblich einen Kopf gemacht. Es läuft am Ende auf folgendes hinaus: Tschaika 21/16 – Tante Crystal Uff Crack Am Reck ist nichts für diejenigen, die mit leichten Abweichungen vom Viervierteltakt bereits die Grenzen ihres musikalischen Horizonts hinter sich gelassen haben. Oder anders: Wer Brunner und Brunner oder Kanye West als den Gipfel musikalischer Experimentierfreude empfindet, wird mit diesem Album einen heftigen Kulturschock erleben. Spätfolgen nicht ausgeschlossen.

Fremde Welten…

Ich habe das Album mit völlig falschen Vorstellungen in den Player geschoben. Auch ich habe mit „irgendwas Punkigem“ gerechnet und wurde ganz nonchalant aus dem Sitz gehoben und überrollt. Tante Crystal Uff Crack Am Reck drückt. Und zwar mächtig und in jede Richtung. Hier wird ein hochkarätiges Luxusmusikfeuerwerk abgefackelt, das komplex-furios irgendwo zwischen Progressive-Stoner und Metal-Jazz glitzert. Dazwischen tanzen Blueseinlagen und Blechbläser zu Sludge und Fuze und alle haben eine Menge Spaß dabei.

Hier springen einem dermaßen viel Kreativität und Können ins Gesicht, dass es mich schier umhaut. Tschaika 21/16 – Tante Crystal Uff Crack Am Reck ist für mich seit Panzerballett – Breaking Brain und vielleicht noch Herbst In Peking – Splitter der Schöpfung Bleeding Edge in Sachen „Musik dekonstruieren und neu zusammenführen“. Was hier passiert, ist kein Kinderkram und erst recht keine belanglose Klimperei. Das hier ist ernsthafte Auseinandersetzung mit Musik auf einem Level, das viele Musiker vielleicht gerade noch von Ansichtskarten her kennen.

Faszination und Qualität

Ich kann meine Faszination, Verwirrung und echte Begeisterung nur schwer in griffige Worte verpacken, denn mir fehlen Vergleiche. Da sind Fragmente von fast allem mit drin. Ein Fundament aus Stoner und Jazz dominiert zwar wahrscheinlich über weite Strecken (so ganz sicher bin ich mir da auch nicht), aber darauf entsteht ein Gebilde, das sich allen gängigen und alltäglichen Kategorien entzieht. Es ist eben nicht einfach „nur“ Jazz oder „nur“ Metal oder „nur“ Stoner oder „nur“ irgendwas. Das Ganze ist fast alles und das gleichzeitig und dann doch wieder nicht. Es ist in sich klar strukturiert, hat eine eigene, innere Logik und entzieht sich dem Erfassen als Ganzes doch immer wieder. Jeder Song folgt einer Linie, die eben nicht so simpel und gradlinig ist, wie der typische 3:30 Popsong morgens um acht im Kantinenradio.

Dieses Album ist ein Schwergewicht, dem man sich mit bedingungsloser Offenheit nähern muss, weil es einfach alle Erwartungen über den Haufen wirft. Tschaika 21/16 – Tante Crystal Uff Crack Am Reck ist ein Superschwergewichts Mixed-Martial-Arts-Fighter mit niedlichen Schmetterlingsflügeln im rosa Einhornkostüm, der auf der Beerdigung der besten Hits der 80er und 90er und dem Besten von heute mit brennenden Kettensägen jongliert und dabei Lapaloma pfeift. Dieses Album, meine Freunde, ist nichts für Anfänger, Warmduscher und Langsamlatscher, aber dieses Album ist unbedingte Pflicht für jeden, der sich ernsthaft für Musik interessiert.

Tschaika 21/16 – Tante Crystal Uff Crack Am Reck ist erschienen am 11.11.2016 bei Noisolution / Soulfood

Offizielle Webseite von Tschaika 21/16 (Facebook)

TANTE CRYSTAL – TOURLAUB TOUR! (2016/2017)

(2016)
24.11. Braunschweig – Tegtemeyer
25.11. Erfurt – Tikolor
26.11. Heuchlingen – Kunsthalle
08.12. Rostock – Peter Weiss Haus
09.12. Hamburg – MarX
10.12. Kiel – Hochbunker
16.12. Berlin – ??? (geheim)
22.12. Dresden – Sabotage
23.12. Jena – Musikkneipe Alster
(2017)
07.01. Leipzig – Felsenkeller

Tschaika 2116 New Album – Preview

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