Neue EP von Unzucht – Schweigen / Seelenblind

Lasst mich bitte eine Sache vorwegnehmen: Ich bin bekennender Unzucht-Fan. Ich habe damals ´ne Rezi zu ihrem ersten Album geschrieben und bin seit erstem Hören echt hin und weg. Wie gesagt – das vorne weg. Denn…

Die EP Unzucht – Schweigen / Seelenblind hat mich nicht vom Hocker gehauen. Ja, es kann sein, daß meine Ansprüche an die Band einfach zu hoch sind. Geb ich zu. Vielleicht erwarte ich einfach von Scheibe zu Scheibe noch eine Steigerung. Bin mit „Gut“ einfach nicht mehr zufrieden. Möglich.

Vielleicht erst mal zum formalen: Auf der EP Unzucht – Schweigen / Seelenblind finden sich acht Tracks mit insgesamt 35 Minuten Laufzeit – das ist mehr, deutlich mehr, als man auf den meisten EPs geliefert bekommt. Zwei der Tracks sind der Venus Luzifer entnommen und damit im klassischen Sinne „Single-Auskoppelungen“, zwei weitere Tracks sind funkelnagelneue Lieder, bislang unveröffentlicht. Und dazu dann noch vier Remixes von Venus Luzifer-Stücken. Man bekommt also durchaus was geboten für sein Geld.

Nur leider erfüllen diese Tracks meine – also meine persönlichen, Saschas – Erwartungen nicht. Wie gesagt – kann an mir liegen. Aber grade „Ein letzter Gedanke“, eins der neuen Lieder, finde ich ziemlich lahm. Ja, bei etwa 2/3 des Liedes wird mal kurz richtig Schub gegeben – aber für mich betont das noch eher das musikalische Dahinplätschern, das diesen Schub umgibt. Und bei den Remixes habe ich das Gefühl, da sei absichtlich das, was Unzucht ausmacht, die Energie, die Power, der Schub, der Elan, das kraftvolle herausgefiltert worden und massentauglicher Pop kam raus. Das mag zwar immer noch Hard-Pop sein, aber es fehlt das unzüchtige in den Unzucht-Stücken. Wobei… da gibt es eine Ausnahme, zu der komme ich weiter unten.

Und ja, sogar an den beiden Tracks aus der Venus Luzifer mäkel ich noch herum, obwohl ich das Album das Beste finde, was diese Band (bislang) produziert hat: In der Reihenfolge, direkt aufeinanderfolgend, wie sie auf der EP präsentiert werden, klingen sie fast wie ein überlanger Doppel-Track. Und das, obwohl ich beide Songs kenne und mag.

Um endlich mal zumindest mit dem negativen Teil dieser Bewertung zum Ende zu kommen: Für mich ist die neue EP Schweigen / Seelenblind zu weichgespült, zu wenig Unzucht.

Aber es gibt ja auch nicht nur zu meckern. Die Größe dieser „Mini-CD“ ist schon bemerkens- und lobenswert, wie oben schon geschrieben. Und ich fahre völlig auf den Roboz Remix von „Das Denkmal fällt“ ab – elektronisch aufgepeppt, nein, aufgemotzt, mit einer Baseline, die gut tanzbar ist und das Stück fast schon in den Industrial/EBM-Bereich rückt, und das mit den Stimmen unserer Daniels… ein wahrer Hammer!

Ähnlich begeistert bin ich vom zweiten neu veröffentlichten Track, „Die Dialektik des Schreckens“, der sehr sozialkritisch daherkommt und zwischenmenschliche Verhaltensweisen und Defizite thematisiert. Nicht im Liedermacherstil mit erhobenem Zeigefinger, sondern verpackt in die volle Unzucht-Power, direkt ab Sekunde 0 mit Tobys rasantem Schlagzeugeinsatz und mit beständigen Tempo-Wechseln und den typischen Breaks… mit diesem Stück war ich dann wieder „zu Hause“.

Vorm Ende der Ehrlichkeit
steht oft der Verlust guter Gründe
Es bleibt die Begehrlichkeit
und schon wird das Ego behände

Ja. Ich bleibe dabei: Schweigen / Seelenblind reisst mich nicht vom Hocker. Aber das heisst nicht, daß sie „schlecht“ ist – sondern dass man bei Unzucht eben auch auf hohem Niveau quengeln kann, vielleicht auch muss. Und vor allem „Die Dialektik des Schreckens“ macht Lust auf die nächste CD – und ich werde meine Umwelt ganz sicher auch weiter „unzuchtifizieren“!

Trackliste

1. Schweigen
2. Seelenblind
3. Die Dialektik des Schreckens
4. Ein letzter Gedanke
5. Seelenblind (Death Valley High Remix)
6. Neugeboren (Erdling Remix)
7. Schweigen (Bells Into Machines Remix)
8. Das Denkmal fällt (Roboz Remix)

Lineup

Der Schulz – Gesang
De Clercq – Gitarre
Blaschke – Bass
Fuhrmann – Drums

Tourdates

22.10.15 Aschaffenburg – Colos-Saal
23.10.15 Wuppertal – LCB
24.10.15 Dresden – Puschkin
29.10.15 Hannover – Musikzentrum
30.10.15 Oberhausen – Kulttempel
05.11.15 Heidelberg – Schwimmbad
06.11.15 Münster – Sputnikhalle
07.11.15 Rostock – MAU Club

Unzucht – Schweigen / Seelenblind (EP) erscheint am 7.08.2015 21.08.2015 bei bei Nocut (SPV).
Webseite der Band: http://unzucht-music.com/
Facebook-Seite der Band: Unzucht

Unzucht (Bild: Axel Jusseit)
Unzucht 31.01.2015 Session
Bochum – Matrix, Germany
Bild Axel Jusseit

1 KOMMENTAR

  1. Wir wurden grade informiert, daß die Veröffentlichung aus produktionstechnischen Gründen (also NICHT wegen mir *grins*) auf den 21. August verschoben wurde…

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