v01d – Greeted As Liberators

Genre-Agnostiker kritisiert „die Szene“

Greeted As Liberators, das zweite Album des Kanadiers v01d (Joe Byer), überrascht mit einer komplexen Stimmung, mal am Rande der Depression, mal eine wohl aus Verzweiflung geborene Wut. Es dominiert eine bedrückende Grundnote, gehüllt in ein industrial-rockiges Ambiente, lässt die Songs mal nach Indie-Rock, mal nach langsamem Gothic-Industrial, mal nach Alternative klingen. Einflüsse aus Richtung Nine Inch Nails, Type O Negative und Wolfsheim schimmern durch und auch Underworld winkt mal hier und da, doch bewegt sich v01d insgesamt auf eigenem, schwer definierbaren, Terrain.

Neue Wege entstehen beim Gehen, heißt es, und manchmal scheint v01d bei Greeted As Liberators selber nicht so ganz zu wissen, wohin seine Reise geht. Dieser Eindruck von Orientierungslosigkeit oder Ratlosigkeit ist gewollt. Sie reflektiert das Thema des Albums, das Joe selber als ernsthafte Herausforderung an den Status Quo der Industrial Szene versteht, aber auch als Revolte gegen deren Lieblingsinhalte: Imperialismus, Krieg, Frauenhass und Rassismus.

Eine immer wieder überzeichnete Monotonie, sowie der auffallend gedämpfte Einsatz anderer, eigentlich genretypischer Elemente, unterscheidet Greeted As Liberators von anderen Alben des Genres. v01d geht seinen eigenen Weg, verwendet einen eigenen Stil, der das Album mal nah an das Ambient-Genre heranrückt, dann wieder weit davon weg. Hinzu kommen langsam wachsende Spannungsbögen, die mal unvermittelt abbrechen, sich mal in beinahe kakophonischen Verwirrspielen auflösen und manchmal ihren Höhepunkt erst gar nicht erreichen, was das Album insgesamt auch zu einer Herausforderung macht.

Die Musik ist dicht, reich an Effekten und komplexer Instrumentierung, doch ist die Stimmung insgesamt eher bedrückendund deshalb eher schwere Kost. Fans des typischen, harten und lauten Industrial werden mit v01d – Greeted As Liberators eher nicht glücklich werden. Angesichts der von v01d geäußerten Kritik habe ich aber auch den Verdacht, dass er denen gar nicht unreflektiert gefallen will. Wer eine andere Herangehensweise an das Genre sucht, könnte hier spannende Ideen und Ansätze finden.

v01d – Greeted As Liberators erschient am 25.11.2016 (CD) bei Artoffact Records / Cargo Records

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