Voodozer – V2

Das zweite Album – Ein Zeitenwechsel

Mit dem zweiten Album steht jede Band vor demselben Problem: Das Neue des Debüts ist verbraucht, aber zu drastische Veränderungen im Stil verschrecken vielleicht die gerade entstandene, noch etwas fragile Fanbase. Das zweite Album braucht Mut. Voodozer aus Oldenburg haben sich mit dem zweiten Album drei Jahre Zeit gelassen. Eine längere kreative Pause wurde nach War-Machine (2014) notwendig. 2015 ersetzt Markus Chris an der Gitarre. Aber es hat sich mehr getan bei der Band als das. Man hört es.

Die Wurzeln von Voodozer liegen irgendwo im Punk und Rock’n’Roll. War-Machine war ein Spiegelbild dieser Wurzeln. Es war ungehobelt, kantig und rau, ein Album, das entstanden war, weil die Band gehört werden wollte. Das war okay. V2 ist anders. Die Zeit hat Spuren hinterlassen in der Band und ihrer Musik. Sie ist reifer geworden, vielleicht etwas gesetzter, in sich ruhender. Dadurch klingt Voodozer in sich geschlossener. Die Musiker sind dichter beieinander und spielen organisch zusammen.

V2 – Weniger Punk ist mehr Punk

Zwar ist das punkige, das rebellische in den Hintergrund getreten, aber es wurde durch etwas ersetzt, das die Band musikalisch nach vorne bringt. V2 klingt fragend, trägt Verzweiflung und Resignation in sich und doch rebelliert die Band gegen all das Negative, will sich nicht unterkriegen lassen. Unausgesprchen stellt V2 die Frage, ob es das jetzt so wirklich sein soll, will nicht hinnehmen, dass alles so ist, wie es ist. Emotionen sind es, aus denen Widerstand und Energie entstehen, die die Musik von Voodozer tragen. Statt sich dem autoaggressiven Geschrammel hinzugeben, hat die Band einen Weg gefunden, der vielversprechend ist, weil er in die Tiefe geht, statt nur an der Oberfläche laut, dafür aber belanglos zu bleiben.

Viel Blues steckt in dem, was Voodozer spielen. Nicht nur auf den Stil bezogen, sondern gerade auf das Feeling. Mit einem Sound, der sich erfrischend in Richtungen lehnt, die an Bands wie Type O Negative, Paradise Lost, Moonspell, Life Of Agony und Crowbar erinnern, (er-)findet sich die Band neu. Der Unterschied ist frappierend. Ja, Voodozer ist noch immer Voodozer. Die Verwandtschaft zu War-Machine ist schwer zu leugnen. Aber gleichzeitig ist V2 völlig anders. V2 ist sperrig, unbequem, rockt wie doof und ist richtig, richtig gut.

Kontraste und harte Schlaglichter

Gerade die Stimme von Sänger Ralf, die irgendwo jenseits eines erstickten Lemmy Verzweiflung und Wut, Angst und Hingabe ausdrückt, steht im scharfen, gänzlich unerwarteten Kontrast zur Instrumentierung. Gewohnheitsmäßig hätte ich bei der Musik eine klare, beinahe klassische Stimme erwartet, wie sie in dem Genre eben “normal” ist. Sowas wie Peter Steele eben. Oder vielleicht Fernando Ribeiro. Aber Voodozer haben den Mut, nicht nur hier eine völlig andere Richtung zu gehen.

Statt sich in die Sicherheit des Gewohnten zurückzuziehen, wagen sie eine gebrochene, in sich zerrissene Atmosphäre, die unbequem ist, die aufwühlt und gleichzeitig doch irre sympathisch ist. Es ist authentische Musik, zu der sofort eine Verbindung entsteht. Der Punk findet sich musikalisch weit im Hintergrund, wird nur hier und da ans Ruder gelassen. Doch sind überall die Bezüge erkennbar, dass alles mit allem irgendwie verbunden ist.

V2 ist weder eindeutig Metal, noch Punk, noch Rock’n’Roll. Es ist eine breite Mixtur von allem, mit einem bemerkenswerten Underground-Feeling. Die Tatsache, dass die Band ihre Musik auch mit spürbarer Lebenserfahrung vorträgt, tut dem Album gut. Statt auf die Krawall-und-Alarm-Attitüde zu setzen, verlässt sich die Band darauf, dass sie etwas zu sagen hat – wenn man ihr denn zuhört. Ob irgendjemand der Band zuhört, ist der Band egal. Sie will nicht gefallen. Sie will sich nicht anbiedern, einschleimen oder anschmiegen.

Ein Angebot, nicht mehr, nicht weniger

Voodozer machen ihr Ding und lassen Dich dabei sein, lassen Dich zuhören. Wenn es Dir gefällt, wenn es bei Dir ankommt: Prima. Wenn nicht, dann eben nicht. Insofern ist V2 doch noch sehr “Punk”. Aber der eingeschlagene Weg gefällt sehr. Das Album ruft viele Erinnerungen wach und bietet viele Anschlusspunkte, für sowohl musikalische Erinnerungen, wie auch ganz eigene, private. Es ist ein Album, das ich so von dieser Band nach War-Machine nicht erwartet hätte, denn es drückt verblüffend treffsicher ganz schön viele richtige Knöpfe. Respekt.

Voodozer – V2 erscheint am 27.10.2017 bei Ring Of Fire Records / Broken Silence

Offizielle Webseite der Band

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Voodozer Trailer V2

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