Walter Trout – Battle Scars

Vom Besuch mitgebracht

Walter Trout – Battle Scars brachte mir vorhin ein Bekannter rum. Der wollte mir das Album schon „eeeewig“ zeigen. „Unbedingt!“ reinhören sollte ich. Damit ich mal was Anderes an Blues höre als „dieses Redneck Zeugs“, sagte er. Gut, ich bin ja offen für fast alles. Warum nicht mal den Nachmittag mit Blues Rock verbringen? Und so lernte ich Walter Trout – Battle Scars kennen.

Während das Album anlief, wurde mir erstmal erzählt, dass Walter Trout während seines letzten Albums „The Blues Came Callin“ super schwer krank war. Er erhielt eine Lebertransplantation und das Album einzuspielen wurde sozusagen eine Therapie. „Aha“, dachte ich mir, „das erklärt schonmal den Namen dieses Albums.“ Er hat Operation und Therapie offensichtlich überlebt und bringt gut ein Jahr danach „Battle Scars“ heraus.

Ein großteil der Kosten für Therapie, Krankenhausaufenthalte und Operation wurden durch Spenden von Fans finanziert und ich vermute, „Battle Scars“ ist auch ein Stück weit eine Danksagung an die Fans. Emotional sind die Texte und die Songs beschäftigen sich sehr mit dem Leben für den Augenblick, Hoffnung, Ängsten und dem Weiterleben. In „Almost Gone“ singt er zum Beispiel:

„Now I Get The Feeling
Something´s Going Wrong
Can’t Help But Feelin‘
I Won’t Last Too Long“
(Walter Trout – Almost Gone)

Fatalismus vom Allerfeinsten

„Gonna Live Again“ hingegen geht in die andere Richtung, stellt die Frage, die wohl jedem Überlebenden auf die eine oder andere Art durch den Kopf geht: Warum habe ich es geschafft und die anderen nicht? Warum habe ich eine zweite Chance bekommen? Soll ich ein besserer Mensch werden? Kann ich ein besserer Mensch werden?

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Album thematisch. Die Titel der Songs nehmen meistens den Kern des Songs vorweg, was auf der einen Seite zwar etwas die Überraschung nimmt, andererseits aber die Intention von Walter Trout wiederspiegelt und so beim Verstehen hilft. Ganz ehrlich, ohne diese Geschichte zu kennen, wären mir einige Songs etwas zu schwülstig oder gefühlsduselig gewesen. So jedoch im Kontext ermöglicht mir das einen anderen Zugang.

Walter Trout – Battle Scars

Musikalisch ist das Album wechselhaft. Mal mir zusagender Blues Rock, mal beinahe Country gefallen mir die Songs mal mehr mal weniger, was aber eindeutig daran liegt, dass ich kein erklärter Blues Fan bin. Den seeligen, fast entrückten Blick meines Bekannten zu sehen, während er leise, nur für sich die Songs mit hauchte, zeigte mir schon, dass diese Musik manchen schon tief berührt.

Ganz weg von meinem Geschmack muss ich unumwunden zugeben, dass der aus Ocean City stammende Walter Trout ein bemerkenswert guter Sänger und Musiker ist, der ein erstaunlich breites Repertoire an Stimmungen in seiner Musik transportieren kann. Die Trauer, die Tiefe der Emotionen kommt deutlich rüber, allerdings auch manchmel etwas sehr „amerikanisch“. Oder – wie ich belehrt wurde „für diesen Stil typisch und eben richtig gut“. Okay, das muss ich einfach so stehen lassen, weil: Er ist da eher der Fachmann, ich kann nur sagen, was ich höre und ob es mir gefällt. Um es an Songs festzumachen: „Please Take Me Home“ ist nicht so meins, „Playin‘ Hideway“ und „Almost Gone“ hingegen schon sehr.

Handwerklich ist das Album echt klasse eingespielt und eingesungen. Die Emotionen kommen rüber (für manche wohl sehr unmittelbar und direkt) und deshalb ist „Battle Scars“ außerordentlich authentisch. Ob es „guter Blues“ ist kann ich beim besten Willen nicht sagen, aber ich kann für mich sagen: „Klasse Mucke!“ Manche Songs des Albums finde ich einfach gut, andere funktionieren bei mir eben nicht so. Leben und Leben lassen – in diesem Fall ist das nicht nur eine Geschmacksfrage, sondern sehr viel konkreter für den Künstler, der davon mehr als nur ein Lied zu singen weiß.

Walter Trout – Battle Scars ist erschienen am 23.10.2015 bei Mascot Label Group / rough trade

Webseite von Walter Trout: http://www.waltertrout.com/

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