Welle: Erdball – 1000 Engel: Diesmal ohne Limit (und ohne Vinyl)

Auf Druck der Fans jetzt doch „für alle“

Welle: Erdball gelang es vergangenen November, die auf 1000 Exemplare limitierte Box von „1000 Engel“, der auch eine 7´´-Vinyl bei lag, in kürzester Zeit restlos an den Mann zu bringen. Wie die Bezeichnung „limited“ vermuten lässt, war die Auflage begrenzt und etliche Fans gingen leer aus. Es folgte eine lang anhaltende Flut von Zuschriften an Label und Band, doch bitte eine nicht limitierte Fassung auf den Markt zu bringen. Das Feedback war groß genug, dass jetzt Welle: Erdball – 1000 Engel erneut erscheint, als reguläres Album.

Sowieso ist die 1990 von Alf „A.L.F.“ Behnsen und Hannes „Honey“ Malecki in der Nähe von Hannover gegründete Minimal Electro Band in vielerlei Hinsicht speziell. Welle: Erdball tritt live meistens in Moderatoren-Uniform aus schwarzen Anzügen, weißen Hemden, schwarzen Krawatten und Sonnenbrillen auf und verkörpert das Image eines imaginären Radiosenders. Elf Alben und 13 Singles und EPs, zwei Filme und ein Hörspiel hat die Band veröffentlicht, die nebenher auch noch andere Projekte verfolgt.

1000 Engel

Offiziell ist 1000 Engel eine EP, was angesichts von 10 Songs plus Bonustrack und einer Laufzeit von über 45 Minuten schon fast eine Untertreibung ist. Welle: Erdball gilt als Band des Minimal Electro, doch 1000 Engel ist nicht unbedingt „minimal“, sondern eher intelligent auf das Notwendige reduziert. Die Synthie-Sounds des Titelsongs erinnern an Kompositionen von Vangelis aus den 80ern wie zum Beispiel „Chariots of Fire“. Zusammen mit dem Gesang von Lady Lila wird daraus ein runder, ein schöner Song, der sich auf seine Art positiv von vielen anderen zurzeit „modernen“ Produktionen abhebt.

Dennoch ist 1000 Engel kein hymnisches Album. Oder genauer: keine hymnische EP. Jeder Song geht in eine eigene Richtung, deren Erbanlagen gleich sind und die sind elektronisch. Die Umsetzung und Komposition ist vielseitig und vielschichtig. Mal bedient die Band EBM, mal Retro. So verschieden die einzelnen Songs im Detail auch sind, so gut harmonieren sie zusammen. 1000 Blumen ist beinahe eine Art stilistischer Rundumblick, mit dem Welle: Erdball mal die eine, mal die andere Ecke ausleuchtet und zeigt, was sie dort sieht.

Ein Gefühl von Nostalgie begleitet das Hören von 1000 Engel. Die von Welle: Erdball gewohnte und von Fans geliebte Verwendung ihres Commodore 64 zur Sounderzeugung bleibt auch Bestandteil von 1000 Engel: Im Song Nerdfaktor 42 wird der Sound des C=64 explizit in den Vordergrund gestellt und lässt hinreißend nostalgische Erinnerungen an viele durchzockte Nachmittage in meiner Jugend wach werden („Gauntlet“, anybody?).

Alles in Allem ist 1000 Engel eine gelungene Scheibe, die sich mit ihren Songs an beinahe jeden Fan elektronischer Musik richtet – vielleicht von EDM, Techno und Co. abgesehen. Es ist fühlt sich insgesamt etwas ruhiger an und die Texte sind nicht „in your face“ gesellschaftskritisch, doch insgesamt bleibt Welle: Erdball sich und der von der Band gewohnten Musik treu. Label und Band dazu zu nötigen, die ursprünglich nur als limitierte Fassung veröffentlichte EP doch noch (sozusagen) für alle herauszugeben, hat sich gelohnt.

Welle: Erdball – 1000 Blumen erscheint (allerdings ohne Vinyl) am 18.03.2016 bei Oblivion / SPV

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