Collide – Color of Nothing

Bitter-Sweet Emotion

Ich kann es kaum glauben, aber Bent & Broken ist tatsächlich fast sieben Jahre her. Sieben Jahre, in denen die Musik von kaRIN und Statik zwar immer wieder bei mir lief. Aber neues Material war nicht dabei und so geriet Collide etwas aus meinem Fokus. Hätte man mich gefragt, ich hätte nicht mit Bestimmtheit sagen können, ob es die Band noch gibt. Bis heute Nacht. Eine Bekannte sprach mich darauf an, warum ich denn noch nichts zu Color of Nothing, dem Neuen von Collide, gesagt hätte. Wie jetzt? Neues Album von Collide?

Natürlich ist die Hoffnung, um diese Uhrzeit aus den USA bemustert zu werden selbst für uns eher illusorisch. Aber wofür hat man eine Kaffeekasse? Die wird geplündert und das Album gekauft. Ich mein hallo? Wir reden über Collide? Was kann da schief gehen?! Ich bin trotzdem etwas nervös. War es eine gute Idee, das Album blind zu kaufen? Haben kaRIN und Statik sich überhaupt musikalisch weiterentwickelt? Oder ist Color of Nothing am Ende bloß ein Best of?

Color of Nothing

Collide Bandfoto Review Color of Nothing PolyprismaBereits bei den ersten Takten ist mir klar: Das ist kein Best of. Das sechste Album des Duos aus Los Angeles überzeugt. Das Album hat genau den „Wow-Faktor“, bei dem der Mund einfach nur offen stehen bleibt. Die faszinierende, bezaubernde und mysteriöse Stimme von kaRIN gibt der Musik genau den Touch, der die Musik von Collide auszeichnet und abhebt. Die Instrumentierung ist ungewohnt rau und kantig. Manche Songs erinnern an den Stil der Nine Inch Nails, was der Musik einen tollen und ungewohnten Drive gibt.

Die Atmosphäre von Color of Nothing ist ganz anders, als sie noch bei Bent & Broken war. Jeder Song hat einen ganz anderen Charakter, eine eigene Aura. Mal wirkt die Musik schmuseweich, mal verstörend dissonant. Trotzdem zieht sich durch alle Songs diese geheimnisvolle Ausstrahlung, die schon immer Markenzeichen von Collide war. Ästhetisch, verträumt, bezaubernd und unglaublich toll sind Begriffe, die mir zu diesem Album durch den Kopf gehen.

Ja leck mich am Arsch ist das geil

Color of Nothing ist ein großartiges Album. Für mich ist es das beste Album der Band. Es verbindet Elemente, die schon immer irgendwie Teil von Collide waren. Collide macht bei diesem Album in Nuancen Dinge anders, aber es sind diese Nuancen, die den entscheidenden Unterschied zwischen sehr gut und außergewöhnlich gut ausmachen. Es ist für Collide eine neue und beeindruckende Stufe der musikalischen Entwicklung. Laut genug geht für mich bei diesem Album nicht.

Selten fasziniert und begeistert mich ein Album auf so vielen Ebenen. Ich kann nicht auf dieses oder jenes eine Detail zeigen und sagen „DAS ist richtig geil!“ Es sind so viele Kleinigkeiten. Es ist das Gesamte, das mich überzeugt. Egal ob es der Wechsel zwischen verschiedenen Stimmungen ist, die mal hintergründige, mal dominante Instrumentierung. Oder die mal direkten, mal zweideutigen Texte. Oder die Tempo-Wechsel. Oder die wundervoll verarbeiteten Rock-Elemente. Oder eben kaRIN mit ihrer schon fast außerirdischen Stimme.

Zwei Dinge stören mich trotzdem an diesem Album. Zum einen: Collide haben offenbar keinen Promoter oder Distributionspartner, der sich um Deutschland kümmert. Zum anderen – und das hängt direkt mit dem ersgenannten Problem zusammen – ist das Album in Deutschland ausschließlich als Download zu bekommen. Wer eine CD haben will, muss diese für US$ 12.83 Porto aus den Staaten importieren lassen. Aber davon abgesehen ist Color Of Nothing ein echtes schwarzes Juwel elektronischer Rockmusik.

Collide – Color of Nothing erscheint am 25.05.2017 bei Noiseplus Music

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